Geschichte
Die Webkunst der Anden ist mehrere tausend Jahre alt, und im Inkareich hatten Stoffe einen sehr hohen Wert. Männer trugen bei den Inka den Unku, eine an den Seiten geschlossene Tunika. Der Poncho dagegen ist seitlich offen. Viele Fachleute gehen davon aus, dass er sich in der Kolonialzeit verbreitete und sich womöglich aus älteren andinen Gewändern entwickelte. Wie er genau entstand und woher sein Name kommt, ist bis heute nicht abschließend geklärt.
Mit der Zeit verbreitete sich der Poncho weit über das Hochland hinaus. Heute trägt man ihn unter anderem in Peru, Bolivien, Ecuador, Kolumbien, Chile und Argentinien, in indigenen Gemeinschaften ebenso wie bei Bauern und Reitern. Die Gauchos der argentinischen und uruguayischen Ebenen und die Huasos Zentralchiles entwickelten jeweils eigene Formen.
Der Poncho auf dem Foto oben gehört dem Metropolitan Museum of Art in New York. Das Museum ordnet ihn den Quechua zu und datiert ihn auf „17. Jahrhundert (?)“. Das Fragezeichen zeigt, dass sein genaues Alter unsicher ist.
Material und Weben
Andine Ponchos werden traditionell gewebt aus:
- Alpakawolle, die weich und warm ist.
- Lamawolle, die gröber und sehr strapazierfähig ist.
- Schafwolle, die mit den Spaniern ins Land kam und heute weit verbreitet ist.
- Baumwolle, vor allem für leichtere Ponchos in wärmeren Gegenden.
Viele Ponchos entstehen am Rückengurtwebstuhl oder am Trittwebstuhl. Weil die Breite des Webstuhls die Stoffgröße begrenzt, besteht ein Poncho oft aus zwei Bahnen, die in der Mitte zusammengenäht werden. Dabei bleibt ein Schlitz für den Kopf frei, wie beim Stück aus dem Museum. Andine Weberinnen und Weber weben jede Bahn traditionell gleich in ihrer endgültigen Größe, sodass der Stoff nicht zugeschnitten werden muss. Die Farben stammen aus Naturfarbstoffen, etwa Rot aus der Cochenilleschildlaus, oder aus synthetischen Farben.
Arten
- Alltagsponchos im Hochland: schwere Wollponchos, die in großer Höhe vor Kälte, Wind und Regen schützen.
- Festponchos: feiner gewebte Ponchos mit Streifen und Mustern, die für eine bestimmte Gemeinschaft typisch sind, getragen zu Festen und wichtigen Anlässen. In Peru unterscheiden sich Farben und Muster von Gemeinschaft zu Gemeinschaft.
- Chamanto: ein fein gewebter Poncho aus Zentralchile, der mit dem Huaso, dem chilenischen Reiter, verbunden wird.
- Argentinische Ponchos: Im Norden Argentiniens ist der rot-schwarze Poncho aus Salta eine bekannte regionale Form.
- Moderne Ponchos: Mode- und Regenponchos, die die Form übernehmen, aber nicht die Webtradition.
So wird er getragen
Den Poncho zieht man durch die Kopföffnung über den Kopf, sodass er auf den Schultern aufliegt und vorne und hinten locker herabfällt. Da er an den Seiten offen ist, bleiben die Arme frei. Bei Kälte kann man ihn enger um den Körper schlagen, bei der Arbeit wird er oft über die Schultern nach hinten geworfen. Die Länge reicht von der Hüfte bis unter das Knie. In den Anden trägt man dazu oft einen gestrickten Chullo und Sandalen, die Ojotas.
Wann man ihn heute trägt
In den hoch gelegenen Gemeinschaften der Anden ist der Poncho für viele Männer noch Alltagskleidung. Festponchos kommen bei Gemeindefesten, Tänzen, religiösen Festen und Hochzeiten zum Einsatz. Außerdem verkaufen Webkooperativen und Märkte Ponchos an Besucherinnen und Besucher. Auf der Seite Traditionelle Kleidung in Peru erfährst du mehr über die Webkunst der Anden und die Kleidung, die zum Poncho getragen wird.




